GARTEN FÜR ST. FRONLEICHNAM

Im Rahmen des ersten Projektes des Master of Interior Architecture in Maastricht sollte ein Beichtstuhl für die Kirche St. Fronleichnam entworfen werden. In der Aachener Kirche ist es Rudolf Schwarz 1929 gelungen, seiner Vorstellung von einem katholischen Gotteshaus eine Form zu verleihen. Beim Betreten der Kirche ist seine rationelle Herangehensweise spürbar und zugleich beeindruckend. Schwarz verlangt dem Besucher einen hohen Abstraktionsgrad ab.

Der Gebrauch von traditionellen Beichtstühlen, wie sie in den meisten katholischen Kirchen zu finden sind, geht zunehmend zurück. Die Wahrnehmung der katholischen Kirche hat sich in Deutschland besonders in den letzten Jahren geändert. Der traditionelle Beichtstuhl spiegelt eine Machtrolle des Priesters gegenüber dem Beichtenden wider und man bleibt anonym. Prof. Dr. Floß erklärte, dass die Beichte auch in einem psychologischen Gespräch unter vier Augen abgenommen werden kann. Das Christentum beruht darauf, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, am Kreuz für die Sünden aller Menschen gestorben ist. Daher sollte der Ort der Beichte ein wohltuender Ort sein: hell und hoffnungsvoll. Es ist menschlich, Fehler zu machen. Der Entwurf für einen Beichtstuhl soll die Liebe und Großherzigkeit Gottes darstellen. Das Empfinden von einem sakralen Ort hängt stark mit dem Einfall von Licht in einen Raum ab. Die meisten Fenster von St. Fronleichnam orientieren sich zur Nordseite hin. Daher ist das Licht im Kirchenschiff bläulich und kühl. Die Öffnungen sind so hoch, dass jeder Blick nach außen verwehrt wird.

Mehr Nähe zu Gott ist für mich draußen im Garten vor der Kirche spürbar: Wilde Pflanzen und warme Sonnenstrahlen spiegeln Gott meiner Ansicht nach mehr wider. Aus diesem Grund soll die Beichte im Garten abgenommen werden. Das Thema des Gartens hat nicht nur im Christentum eine lange Tradition. Bekannte Beispiele sind das alttestamentliche Paradies, Klostergärten oder der Garten Gethsemani. In diesem Garten ist es Jesus, der am Abend vor seiner Kreuzigung, seinen Jüngern ihre Fehler verzeiht. Aber auch in anderen Religionen ist der Garten ein Symbol. So kann der Garten zum verbindenden Ort im muslimisch geprägten Ostviertel Aachens werden und kann die Kirche St. Fronleichnam mehr in die bestehende städtebauliche Umgebung integrieren. Die Hemmschwelle einen Garten zu betreten ist deutlich geringer als eine Kirche oder eine Moschee. Der Garten ist für alle Menschen zugänglich, unabhängig von Sprachbarrieren oder Behinderungen. Gott findet sich nicht in einer konstruierten Kirche, sondern in zwischenmenschlichen Beziehungen wieder.

Das große Potenzial des Kirchengrundstücks wird derzeit nicht genutzt. Ein Zwischenbau mit dem Gemeindebüro verbindet das angrenzende Pfarrhaus und die Kirche. Gegen die Absicht des Architekten ist der Eingang Nord zum Haupteingang geworden und der Besucher erfährt den Kirchenraum anders. Zudem verhindert der Zwischenbau die Erschließung des Grundstücks vom Kirchenvorplatz aus. An der Ostseite ist ein Eingang zu den Schulungsräumen und die Zufahrt zu den Garagen. Die Mauern und das Tor wirken abweisend. Der Garten ist verwildert und kein schöner Aufenthaltsort. Das Gelände steigt um zwei Meter an und im hinteren Bereich hat man einen guten Blick über den gesamten Garten.





Für den Entwurf des Gartens werden der Zwischenbau und die Garagen entfernt. So öffnet sich das Grundstück zu beiden begleitenden Straßen hin. Eine weiße Mauer fasst den Garten zu einem Hortus Conclusus. Geschützt vor den Einblicken der Nachbarn, bietet sich dort ein Rückzugsort für ein persönliches Gespräch. Einige höhere Bäume fassen den Garten optisch und teilen den öffentlichen und privaten Bereich vor dem Pfarrhaus. Parallel zur Straße begleitet eine Reihung aus Pappeln das Kirchengebäude, wie sie in der ursprünglichen Planung von Schwarz ebenfalls zu finden waren. Der belgische Blaustein aus dem Innenraum wird im Außenbereich in matter Ausführung fortgeführt. Der gesamte Kirchenvorplatz ist mit quadratischen Natursteinen gepflastert. Nur an den beiden Eingängen des Gartens wird die starre Form aufgebrochen und natürliche Steinformen gehen nach einigen Metern in Kies über. Die Gestaltung des Gartens lehnt sich an die der englischen Landschaftsgärten an: Wilde Stauden und Büsche blühen abwechselnd und das Farbspiel des Gartens ändert sich mit den Jahreszeiten. Viele der gewählten Pflanzen besitzen eine symbolische, christliche Bedeutung. So ist eine rote Rose beispielsweise Sinnbild für Jesus Christus und weiße Rosen und Salbei stehen für die heilige Jungfrau Maria. Zudem wurden Sonne und Schatten bei der Anordnung der Pflanzen im Garten beachtet. Höhere Büsche und Gräser verwehren den Blick in die angrenzende Pfarrwohnung. Als Schutz vor Regen und Wind dient ein Gewächshaus. Die Proportionen der Fenster und Verbindungen von Stahl und Glas leiten sich von den Kirchenfenstern ab. Diese durchsichtige Hülle bietet ausreichend Platz für Pflanzen und zwei Stühle. Sollte der Garten von einer Schneedecke umhüllt sein, blühen unter dem Glashäuschen bereits die ersten Frühlingsblumen. Sie werden zum Hoffnungsschimmer und stärken das Vertrauen des Beichtenden in einen wohlwollenden Gott. Ebenso wie die Pflanzen im Garten, lässt Gott sich nicht in klaren Strukturen planen. Er passt in kein Raster.

Neben dem Garten als Ort der Beichte kann der traditionelle Beichtstuhl weiterhin genutzt werden. Mit meinem Entwurf möchte ich dem Besucher Möglichkeiten bieten und ihm die persönliche Wahl überlassen.

GARDEN AT ST. FRONLEICHNAM

Our first project at Master of Interior Architecture in Maastricht is a new draft for a confession chair at St. Fronleichnam. In this church from 1929 the architect Rudolf Schwarz took his chance to realize his visions of a catholic church. His rational way of thinking is noticeable in the whole building. It impresses visitors directly and in order to understand his ideas of believe the visitor needs a high grade of abstraction.

Traditional confession chairs in catholic churches are not used that much anymore. Especially during the last years in Germany the perception of catholic church has changed. The traditional confession chair symbolizes the authority of the priest and the confessioner stays anonym. Prof. Dr. Floß explains that it is also possible to interpret the confession as a psychological dialogue. Christianity is based on the believe, that Jesus Christ, the son of God, died at the cross for every human sin. That is why in my opinion the place of confession should be a lightly and hopeful place. Failure is human. The draft of my confession chair should show the love and magnanimity of God. The perception of sacrality in rooms depends on the entrance of light. Most of the windows in St. Fronleichnam are orientated to the North. That is the reason why the light is blueish and cold inside the church. Additionally all of the openings are too high to allow a visitor a direct view to the outside.

Outside the church I personally feel closer to God than inside the building of Rudolf Schwarz: Wild plants and warm sunlight mirror God better than this rational planned church. That is why the place of confession should be the garden. The garden has not only in Christianity a long history. Well known examples are the paradise, gardens in cloisters or the garden of Gethsemani. In this garden it was Jesus himself, who forgive his followers theirs faults in his last night before he died at the cross. But also in other religions the garden has a long tradition. Because of this similarity the garden could be a place of coming-together. It could be a connecting element between the catholic church in its muslim surrounding. The border to enter a garden is for people much lower than entering a church or a moschee. The garden is for everyone accessible, independent from language or physical abilities. God does not exist in a constructed box, but he shows in inter humanity.

The potential of the area around St. Fronleichnam is not used at the moment. A building is placed between the church and a house. Rudolf Schwarz wanted the visitor entering his building by using the entrance at the South side. Visitors should enter the darker and lower part of the church before they get into the higher part. That experience is disturbed by using the new building as an entrance. Additionally the new building in between the existing structures prevent the possibility to enter the backyard of St. Fronleichnam. At the East is an entrance for schoolrooms and the driveway for the garages. It seems that nobody is responsible for the existing garden. It looks forgotten end overgrown. The area rises about two meter higher. So that you have an overview over the area at the backside of the terrain.





In my draft for a garden, I removed the building between the house and the church. Additionally the garages are apart. Thereby the gardens opens to both streets. A white wall, made from the same material as the church, frame the garden to a Hortus Conclusus. Hidden from the views of neighbors, a personal dialogue can took place. Some higher trees frame the garden optically and divide public an private spaces. The church is accompanied by the same trees Rudolf Schwarz used in the earlier years of his building. The bluestone from Belgium, which he had chosen for the interior, should be continued at the squares around the church. They are in the same size as inside but with a rougher surface. Only at the entrance of the garden the strict structure of the rectangular stones is broken. Natural forms blend after some meters to smaller pebble stones. The design for the garden relates to English landscape gardens: Wild shrubs and bushes bloom alternately and the colors change constantly with different seasons. Some of the chosen plants are symbols in Christianity. A red rose is a symbol for Jesus Christ and a white rose or sage stand for the holy Maria. The change of sun and shadow influence the positions of the chosen plants. Higher bushes and grasses disturb the view to the neighboring house. A small glasshouses offers protection of wind or rain. Its proportions and the connections between glass and steel relate to the windows of St. Fronleichnam. This translucent shell offers enough place for plants and two simple garden chairs. If the garden is hidden under a white plaid of snow, the first spring flowers will bloom under the protection of the glasshouse. They become a sign of hope and support the confessioner to believe in a generous God. Like the wild flowers in the garden, it is impossible to fix God in clear, predictable structures.

Additionally to the garden as place of confession, the existing confession chairs of St. Fronleichnam can still be used. With my draft of an alternative way of confession I would like enable more and different possibilities to people.



Folgende Zeichnungen:
1. Schnitt Süd - Nord, Bestand
2. Schnitt Süd - Nord, Entwurf
3. Schnitt Ost - West, Bestand
4. Schnitt Ost - West, Entwurf


Following pictures:
1. Section South - North, Existing structures
2. Section South - North, Draft
3. Section East - West, Existing structures
4. Section East - West, Draft